23/05/2025

Lkw: Brennerautobahn und Alpitronic läuten neue Ära ein. Erste 1000kW-Ladestation in Bozen Süd eröffnet

Nachhaltige Mobilität: Erste Lkw-Ladestation der A22 mit drei Ladepunkten in Firmian
Mit dem Hypercharger HYC1000 werden die Ladezeiten sogar halbiert


Für den Schwertransport beginnt eine neue Ära – und zwar auf der A22. Am heutigen Freitagvormittag hat die Brennerautobahngesellschaft am Parkplatz Firmian in Bozen Süd die erste 1-Megawatt-Ladestation für Lkw eröffnet. Die von Alpitronic entwickelte Anlage ist ein absolutes Novum in Italien und zählt europaweit zu den ersten ihrer Art. Sie ist sogar derart neu, dass Lkw-Hersteller erst jetzt damit beginnen, die ersten E-Lkws auf den Markt zu bringen, die mit dieser Leistung laden können.

„Die Eröffnung dieser 1-MW-Ladestation für Schwerfahrzeuge entlang der A22 – die erste ihrer Art in Italien – bestätigt die Verpflichtung der Brennerautobahn AG und damit auch des Landes Südtirol, diese bedeutende Infrastruktur – eine Brücke zwischen Nord- und Südeuropa – in einen Digitalen Grünen Korridor zu verwandeln”, betonte der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher, „Das ist ein sehr wichtiger Schritt nach vorne, der durch technologischen Fortschritte im Bereich der Ladeanlagen und Antriebe auch für Lkw möglich ist – ein Schritt zur Reduzierung der Emissionen und damit der Umweltbelastung für die Menschen an der Brennerachse – unser bedeutendstes Ziel. Und ich freue mich natürlich sehr, dass diese Technologie von einem Südtiroler Unternehmen entwickelt worden ist“, so der Landeshauptmann. „Wir wissen, dass der Schwerlastverkehr, der täglich über den Brenner fährt, einen erheblichen Teil des nationalen Imports und Exports trägt“, erklärte Diego Cattoni, Geschäftsführer der Brennerautobahngesellschaft. „Ebenso klar ist aber auch, dass sich die Elektromobilität in diesem Bereich ohne eine geeignete Ladeinfrastruktur kaum durchsetzen wird: Mit dieser leistungsstarken Ladestation für E-Lkws – einzigartig in ganz Italien – treiben wir die Energiewende im Schwerverkehr konsequent voran, wie es auch der Investitionsplan unseres Eigenvorschlages im Rahmen des PPP-Projekts vorsieht, das mittlerweile Teil der Ausschreibung des italienischen Verkehrs- und Infrastrukturministeriums für die zukünftige A22-Konzession ist. Wir wollen die A22 zum ersten gründen Korridor Europas machen. Gemeinsam mit Alpitronic gehen wir heute einen weiteren wichtigen Schritt in diese Richtung.“ Zufrieden zeigt sich auch Philipp Senoner, CEO von Alpitronic: „Die Zukunft des Transportwesens ist elektrisch – und dafür braucht es eine leistungsfähige und verlässliche Ladeinfrastruktur. Mit unserem ultraschnellen Ladesystem HYC1000 leisten wir von Alpitronic direkt hier in Südtirol einen konkreten Beitrag zur nachhaltigen Transformation des Transport- und Logistiksektors. Möglich wird das durch die enge Zusammenarbeit mit Partnern, die unsere Überzeugung teilen: Technologie muss im Alltag funktionieren und einen reibungslosen, zuverlässigen Betrieb entlang der gesamten Lieferkette gewährleisten.“

„Meinen Glückwunsch an Alpitronic“, fuhr der Präsident der Brennerautobahngesellschaft, Hartmann Reichhalter, fort, „für ihre beispielhafte Innovationskraft im Bereich der emissionsfreien Elektromobilität. Wir fühlen uns geehrt, in unserer Region und auf unserer Autobahn die erste grüne E-Ladesäule für Lkw beherbergen zu dürfen. Ich hoffe, dass diese Initiative nur der Auftakt für weitere Kooperationsmöglichkeiten zwischen der A22 und Alpitronic darstellt, um die gesamte Autobahnstrecke mit diesen Ladesäulen zu stärken. Das ist die wahre Herausforderung – und sie beginnt heute! Wir haben von unseren Gesellschaftern den Auftrag erhalten, die Verbreitung von emissionsfreien und zugleich leiseren Fahrzeugen zu fördern. Das bedeutet, dass wir nicht nur einen Beitrag zum Umweltschutz leisten, sondern auch zur Lebensqualität der Menschen, die entlang der Strecke leben und arbeiten.“

Die heute am Parkplatz Firmian eröffnete Ladestation ist die erste an der A22, die speziell für elektrische Lkw konzipiert wurde. Sie ist zudem die erste Megawatt-fähige MCS-Installation in Italien und eine der allerersten in Europa. Das Power Cabinet, bestehend aus acht Modulen mit einer maximalen Gesamtleistung von 1 MW, ist das Herzstück der Ladestation und versorgt zwei Ladestecker (Dispenser). Aktuell stehen drei solcher Ladepunkte zur Verfügung, wobei der erste – direkt beim Power Cabinet – eine Besonderheit bietet: Neben dem klassischen CCS2-Stecker (Combined Charging System) mit einer maximalen Ladeleistung bis zu 600kW ist hier auch der neue, experimentelle Stecker MSC  (Megawatt Charging System) mit einer Leistung von 1.000 kW installiert.

Die Vorteile eines ultraschnellen Ladens für Lkw liegen auf der Hand: Die maximale Batteriekapazität eines E-Lkw variiert je nach Modell und Hersteller zwischen 300 und 600 kWh. Je größer die Batterie, desto größer ist die Reichweite – allerdings erfordern leistungsstarke Batterien entsprechend leistungsfähige Ladepunkte, wenn man nicht stundenlang an einer Ladesäule stehen will. Das neue MCS-System erfüllt genau diese Anforderungen.  Es wurde von Alpitronic speziell dafür entwickelt, den straffen Zeitvorgaben im Schwerlastverkehr gerecht zu werden. Ziel ist es, einen E-Lkw während der gesetzlich vorgeschriebenen 45-minütigen Pause nach viereinhalb Stunden Fahrtzeit vollständig zu laden, ohne dass die Fahrer zusätzliche Stopps einlegen müssen. Konkret heißt das: Ein Lkw mit einer 600-kWh-Batterie lässt sich bei einer Ladeleistung von 1.000 kW in nur 30 Minuten aufladen. Damit kann eine potenzielle Reichweite von 500 km erzielt werden – wobei das transportierte Gewicht, Steigungen und andere äußere Faktoren diese Zahlen beeinflussen. Unter vergleichbaren Bedingungen hinsichtlich Temperatur und Fahrzeugzustand lassen sich die Ladezeiten im Vergleich zu heute sogar halbieren – bei einer gesteigerten Reichweite. Kurzum: Das neue MCS-System reduziert die Standzeiten deutlich und steigert zugleich die betriebliche Effizienz der Fahrzeuge. Der zweite Dispenser ist mit zwei CCS2-Steckern ausgestattet, die jeweils eine Ladeleistung von 600 kW bieten. Die technische Innovation liegt hier nicht im Stecker selbst – dieser hat sich bereits als Standard in Europa und Nordamerika etabliert –, sondern in der maximal möglichen Ladeleistung, die an dieser Station erreicht werden kann.

„Die Brennerautobahn kann derzeit als Charging Point Operator (CPO) bezeichnet werden“, so der Technische Generaldirektor Carlo Costa, „mit 15 Ladestationen entlang der Strecke und einer Stromabgabe von beachtlichen 820.302 kWh im Jahr 2024. Um Elektromobilität auch für den Schwerverkehr attraktiv zu machen, braucht es Spitzentechnologien – ohne sich dabei jedoch mit den besten Lösungen von heute zufriedenzugeben. Sondern vielmehr mit dem Anspruch, bereits heute die Maßstäbe von morgen zu setzen. Und genau das haben wir getan: Wir haben nicht nur gemeinsam mit Alpitronic eine der leistungsstärksten Ladestationen Europas geplant, sondern sie auch so ausgestattet, dass künftig ein zweites MCS-System integriert werden kann.“

Es handelt sich um eine echte Revolution im Bereich der Elektromobilität: Die zum 31. Dezember 2024 erhobenen Daten von E-Motus verzeichnen insgesamt 64.397 E-Ladepunkte in Italien, von denen jedoch nur sechs Prozent mit HCP (High Capacity Power) ausgestattet sind, d.h. mit einer Leistung von 150 kW oder mehr. Ein weiterer Aspekt, der den Standort Bozen Süd für Lkw und Sattelschlepper so interessant macht, ist die Verfügbarkeit einer zentralen Leistungseinheit mit einer Ausgangsleistung von 1.000 kW. Diese ermöglicht das gleichzeitige Hochleistungsladen von bis zu drei Fahrzeugen mit HCP, wobei sich die verfügbaren 1.000 kW auf die angeschlossenen Fahrzeuge verteilen. Dies ist der Zusammenarbeit zwischen Alpitronic – den Entwicklern des auf das Megawatt Charging System ausgelegten Ladesystems – und der Brennerautobahngesellschaft geschuldet, die den Standort infrastrukturell ausgestattet hat, einschließlich Planung und Errichtung einer Mittelspannungskabine, der Niederspannungsschaltanlagen, der gesamten Stromverteilung vor Ort und der Ladeplätze. Doch damit nicht genug: Der von der Brennerautobahn AG installierte Transformator hat eine Leistung von 2.000 kVA, womit die Anlage bereits auf die zukünftige Erweiterung um ein zweites 1-MW-Ladesystem ausgerichtet ist. Die Kapazität der Ladestation würde sich damit verdoppeln.

Schon bald wird das Projekt erweitert: In den nächsten Monaten wird AVL Italia – ein Unternehmen, das sich auf technologische Infrastrukturlösungen und Innovationen in den Bereichen der nachhaltigen Mobilität und Energie spezialisiert hat – die heute vorgestellte Infrastruktur mit einem Energiespeichersystem und einer digitalen Plattform zur Überwachung und Steuerung des sogenannten Mikronetzes, AVL ATENE, ausbauen. Ziel dieser Erprobung ist es, die Stabilität in der abgegebenen Leistung zu gewährleisten, übermäßige Lastspitzen zu steuern und so Netzinstabilitäten zu beseitigen (Peak-Shaving und Backup-Verfahren), erneuerbare Energien für eine wettbewerbsfähige Energieversorgung zu nutzen (Energy Arbitrage) und die Betriebs- und Versorgungssicherheit der Infrastruktur sicherzustellen. „AVL Italia wird dazu beitragen, die A22 zu einem innovativen, strategischen Knotenpunkt für die nachhaltige Mobilität im Güterverkehr zu verwandeln“, erklärte Geschäftsführer Dino Brancale.

Da es sich um eine so innovative Anlage handelt, wurde für die erste Phase entschieden, dass das Laden von Schwerfahrzeugen nur nach vorheriger Anmeldung und mit einem Ausweis der Brennerautobahngesellschaft möglich ist. So kann die Gesellschaft die Nutzung, Abrechnung und Funktionsfähigkeit der Station überwachen. Später wird die Station auch für Pkw geöffnet. Dies ist erneut ein Weg, um die Etablierung eines Marktsegments zu fördern, das positive Auswirkungen auf die Umwelt hat.

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