Brennerautobahn stellt 5G in den Dienst der Sicherheit. Projekt 5GBEAM macht die A22 digital

23 April 2026
Dank der neuen Technologie können Fahrzeuge und Infrastruktur direkt miteinander kommunizieren
Die Gesellschaft steuert das EU-Projekt mithilfe zahlreicher Partner, darunter TIM und INWIT
Die Brennerautobahn AG macht einen weiteren entschlossenen Schritt in Richtung der Mobilität der Zukunft, in der das vernetzte und autonome Fahren im Mittelpunkt stehen wird. Am heutigen Mittwochvormittag hat die Gesellschaft das europäische Projekt 5GBEAM (Developing 5G Infrastructure along the Brenner corridor for a European Automated Mobility) vorgestellt, das sie gemeinsam mit den Partnern TIM, INWIT S.p.A., Optimus Tower Austria GmbH, MOST (Nationales Zentrum für nachhaltige Mobilität) sowie der Universität Neapel Federico II federführend umsetzt. Mit Unterstützung der Provinzen Trient und Bozen hat die Brennerautobahn AG im Rahmen des Aufrufes CEF-DIG-2024-5GLSP einen Projektvorschlag zur Implementierung der 5G-Verbindung eingereicht – eine Technologie, die dank einer niedrigen Latenz die Entwicklung fortgeschrittener Anwendungsfälle für das vernetzte und autonome Fahren (CCAM) ermöglicht. Das Projekt wird im Rahmen des Programms Connecting Europe Facility der Europäischen Kommission zu 50 Prozent mit 8,7 Millionen Euro finanziert, ist offiziell am 1. Dezember 2025 gestartet und hat eine Laufzeit von 36 Monaten.
Das Projekt 5GBEAM versteht sich als Motor für den digitalen und ökologischen Wandel der europäischen Wirtschaft entlang grenzüberschreitender Korridore. Vor diesem Hintergrund nimmt die A22 eine strategische Rolle am skandinavisch-mediterranen Korridor ein, der Nord- und Südeuropa miteinander verbindet. „Das Projekt 5GBEAM“, erklärte der Technische Generaldirektor der Brennerautobahngesellschaft Carlo Costa, „zielt darauf ab, die 5G-Infrastruktur entlang der A22 auszubauen und eine lückenlose 5G-Abdeckung (700 und 3.700 MHz) zu gewährleisten. Aufbauend auf das Projekt 5G-CARMEN besteht das vorrangige Ziel darin, die vernetzte und automatisierte Mobilität (CCAM) zu implementieren, indem die Möglichkeiten des 5G-Standalone-Netzes (SA) genutzt werden, das heißt eines Netzes, das vollständig unabhängig von der 4G-Infrastruktur arbeitet und sich insbesondere durch Ultra-Zuverlässigkeit und niedrige Latenz (URLLC) auszeichnet, die für höhere Automatisierungsstufen entscheidend sind. Sobald das automatisierte Fahren greifbar wird, werden die positiven Auswirkungen auf die Infrastruktur deutlich zu spüren sein: Weniger Unfälle tragen zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr bei, gleichzeitig wird die Effizienz der Verkehrsflüsse gesteigert, was wiederum weniger Stop-and-Go-Verkehr und in der Folge weniger CO2-Emissionen bedeutet. Wir gehen davon aus, dass die menschliche Reaktionszeit vor einem Bremsmanöver heute etwa eine Sekunde beträgt, was bei 130 km/h einem Bremsweg von etwa 36 Metern entspricht. Die nahezu sofortige Reaktionszeit von 5G gewährleistet hingegen, dass der Bremsvorgang bereits nach 18 Zentimetern eingeleitet werden kann. Es liegt auf der Hand, dass sich die Zukunft der Mobilität im Bereich der Big Data entscheidet.“ Der Trientiner Landeshauptmannstellvertreter und Landesrat für wirtschaftliche Entwicklung, Arbeit, Familie, Universität und Forschung Achille Spinelli betonte: „Mit dem Projekt 5GBEAM vollzieht die Brennerautobahngesellschaft einen historischen Qualitätssprung von einer einfachen, physischen Infrastruktur zu einer strategischen Ressource für die Region, eine echte technologische Brücke zu Europa. Es geht dabei nicht nur darum, ‚ein Zeichen zu setzen‘, sondern vielmehr darum, ein speziell für die Mobilität konzipiertes hochleistungsfähiges Netz zu schaffen, das enorme Datenvolumen bewältigen kann, wie es die vernetzten und autonomen Fahrzeuge der Zukunft erfordern: eine ‚Smart Road‘, die höchste Sicherheitsstandards gewährleistet und Verkehrsflüsse optimiert“, betonte Spinelli. „In diesem neuen Modell ist Sicherheit keine bloße zusätzliche Dienstleistung mehr, sondern wird zum Rückgrat der gesamten öffentlichen Infrastruktur. Für jene, die sich auf Reisen begeben, und für jene, die sich mit dem Thema Mobilität befassen, bedeutet diese Investition präzisere Informationen, zuverlässige Warnsysteme sowie unmittelbare und sichere operative Entscheidungen für die Verkehrssteuerung und Unfallprävention. Die Provinz Trient unterstützt diesen Weg mit Überzeugung, und ich möchte der Brennerautobahngesellschaft und allen Partnern dafür danken, dass sie sich dafür entschieden haben in diesen bedeutenden Bereich zu investieren, der den Brennerkorridor endgültig in ein europäisches Labor für vorausschauende, sichere und nachhaltige Mobilität verwandeln wird.“ Auch der Südtiroler Landeshauptmannstellvertreter und Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider hob in seiner Botschaft an die Teilnehmenden der Medienkonferenz die Bedeutung der Digitalisierung der Verkehrsinfrastrukturen hervor, insbesondere am Brennerkorridor. „Als Ten-T-Achse muss der Korridor zukunftsfit werden, davon hängen eine Vielzahl von künftigen Fortschritten ab, vom autonomen Fahren genauso wie der Verlagerung des Verkehrs“, sagte Alfreider. Mit diesem Projekt rücke die Brennerachse ein Stück weit Richtung der geteilten Vision eines „digital green corridor“. „Die Brennerautobahngesellschaft unterstreicht auch bei diesem Thema, dass die Infrastruktur nicht nur baulich gewartet werden, sondern durch Innovation quasi immer wieder neu definiert werden muss“ unterstrich Alfreider.
Diese Initiative reiht sich in die langjährige Erfahrung der Brennerautobahngesellschaft im Bereich der C-ITS-Technologien und der Smart Mobility ein, die mit den C-Roads-Projekten ihren Anfang nahmen und mit 5G-CARMEN fortgeführt worden sind, eine Art Vorläufer des Projektes 5GBEAM. Während die Gesellschaft im Zuge von C-Roads eine Infrastruktur für den Informationsaustausch zwischen Infrastruktur und Fahrzeugen (I2V) aufgebaut und die Verkehrsader mit 68 Road Side Unit (RSU) sowie speziellen Kurzstreckenantennen für den Datenaustausch ausgestattet hat, konnten im Zuge von 5G-CARMEN mithilfe eines 5G-Pilotnetzes kooperative Fahrmanöver getestet werden. 5GBEAM geht noch einen Schritt weiter und wird eine leistungsstarke 5G-Abdeckung entlang des Autobahnabschnittes schaffen: Dies wiederum ermöglicht nicht nur, die Grenzen des Versuchsnetzes zu überwinden, das für 5G-CARMEN genutzt wurde, sondern auch die Einschränkungen der aktuellen Infrastruktur, bei der das 5G-Netz im Wesentlichen noch stark von 4G abhängig ist. Zu den wichtigsten erwarteten Vorteilen zählt die Reduzierung der Latenz (d.h. der Reaktionszeiten) auf ein extrem niederes Niveau im Bereich von Millisekunden (URLLC). Es handelt sich dabei um einen zentralen Aspekt für Systeme des autonomen Fahrens, bei dem die Geschwindigkeit des Informationsaustausches unmittelbar mit der Sicherheit zusammenhängt. Das Projekt führt zudem die direkte 5G-V2X-Kommunikation (Sidelink PC5) ein, die – allerdings nur auf einigen der betroffenen Streckenabschnitte – den direkten Datenaustausch zwischen Fahrzeug und Infrastruktur auch bei fehlender Abdeckung durch das klassische Mobilfunknetz ermöglicht. Dadurch werden die Kontinuität und Ausfallsicherheit des Systems gestärkt.
Der erste operative Schritt betrifft den Ausbau der Infrastruktur. Dank der Einbindung von Partnern in der Telekommunikationsbranche wird auf der A22 von Modena bis zum grenzüberschreitenden Bereich zwischen Italien und Österreich ein 5G-Standalone-Netz mit Edge-Computing-Funktionen aufgebaut, d.h. ein Netz, das die Verarbeitung von Daten unweit von jenem Ort ermöglicht, an dem sie generiert werden. Auf österreichischer Seite hingegen wird das Projekt die Kontinuität der Infrastruktur zur Unterstützung des 5G-Netzes vom Brennerpass bis Kufstein gewährleisten, sodass diese bis zur deutschen Grenze reicht. „Das Projekt 5GBEAM“, erklärte der Generaldirektor von MOST Gianmarco Montanari, „stellt einen entscheidenden Schritt in der weiteren Entwicklung der Mobilität hin zu immer stärker vernetzten, kooperativen und autonomen Modellen dar. Die Integration fortschrittlicher digitaler Infrastrukturen und Verkehrssysteme eröffnet neue Perspektiven in Bezug auf Sicherheit, Effizienz und Nachhaltigkeit. In diesem Kontext ermöglicht es ein Pilotprojekt entlang eines strategischen Korridors wie dem des Brenners, technologische Lösungen mit hoher Wirkung in einem realen und komplexen Umfeld zu erproben. Gerade durch Initiativen wie diese werden die Voraussetzungen für eine intelligentere und resilientere europäische Mobilität geschaffen, die den Herausforderungen des digitalen und energetischen Wandels begegnen kann. Die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Akteuren, Industrie und Forschung erweist sich einmal mehr als Schlüsselelement, um die Innovation voranzutreiben und die Vision des autonomen Fahrens Wirklichkeit werden zu lassen.“
Ein 5G-Netz bietet erhebliche Vorteile für das autonome Fahren. Diese Technologie verkürzt die Reaktionszeit bei der Übertragung von Daten drastisch. Für Straßensensoren bedeutet dies, dass sie nahezu in Echtzeit kommunizieren können – ein entscheidender Aspekt, um Unfälle zu melden, auf plötzliche Hindernisse zu reagieren, Notfallsysteme zu aktivieren und allgemein autonome Fahrfunktionen zu unterstützen, die ein unmittelbares Handeln erfordern. Zudem ermöglicht 5G, große Datenvolumen zu verarbeiten und eine sehr hohe Anzahl von Geräten pro km² zu verbinden, was für die Überwachung sensorreicher Straßeninfrastrukturen (Structural Health Monitoring) ideal ist. Für den Straßenverkehr bedeutet dies präzisere und zeitnahere Informationen, zuverlässigere Warnsysteme und sicherere operative Entscheidungen.
Im Zuge von 5GBEAM wird die Brennerautobahngesellschaft die niedrige Latenz von 5G testen, um einige Anwendungsfälle zu verbessern, die bereits mit den Projekten C-Roads und 5G-CARMEN erprobt wurden. Dazu zählen etwa die Steuerung der Anfahrt und des Einsatzes von Rettungsfahrzeugen oder Fahrzeugen mit Vorrang und die Sicherheit im Baustellenbereich. In diesen Fällen können die Arbeiter mit 5G-fähigen Geräten ausgestattet werden, die in Echtzeit Warnmeldungen an Mitarbeiter und Fahrzeuge senden und somit in besonders heiklen Situationen die Sicherheit erhöhen. Nicht zuletzt werden im Laufe des Projektes die Vorteile von 5G auch in kritischen Bereichen wie Tunnels oder Abschnitten mit eingeschränkter GNSS-Abdeckung getestet. Ziel ist es dabei, die Kontinuität der Kommunikations- und Ortungsdienste zu überprüfen.